Radwegenetz: Rhein-Ruhr-Express könnte Radwegnetz gefährden

 

Mülheim, 20.07.2010, Mirco Stodollick

 

 

Mülheim. Der alte Güterverkehrsweg der Rheinischen Bahn soll zum Radweg werden und Duisburg, Mülheim und Essen verbinden. Doch in Mülheim will die Bahn erst prüfen, ob das Areal für den Rhein-Ruhr-Express vorgehalten werden muss.

Nicht nur das, aber insbesondere dieses hat das Still-Leben Ruhrschnellweg am Sonntag gezeigt: Die Menschen steigen gerne aufs Rad, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt. Doch wann endlich werden die Mülheimer auf der Trasse der Rheinischen Bahn zwischen dem Rhein bei Duisburg und Essens Uni pendeln können?

Es ist ein Großprojekt der Radverkehrsplanung, die schnelle und landschaftlich sowie städtebaulich attraktive Verbindung der drei Innenstädte von Duisburg, Mülheim und Essen. Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat die Federführung für das Projekt, das mit Eigenmitteln sowie Geld von EU und Land finanziert wird.

Streckenabschnitt durch das Essener Univiertel ist bereits freigegeben

Der erste Streckenabschnitt ist bereits für Fahrräder freigegeben. Er führt vom südlichen Teil des Essener Uni-Viertels, wo ein innenstadtnaher Grüngürtel mit Wohnen und Gewerbe entsteht, bis an die Mülheimer Stadtgrenze heran. Im Grenzgebiet soll nun, das hat höchste Priorität beim RVR, eine nicht länger provisorische Verbindung zur Gruga-Trasse (führt nach Essen-Rüttenscheid) und zur Wasserroute (Richtung Borbeck) geschaffen werden. Ein Kilometer Strecke ist da noch aufzubereiten. Man wolle dies Anfang 2011 in Angriff nehmen, so Christoph Haep, RVR-Projektleiter für den Fahrradweg über die ruhende Trasse der Rheinischen Bahn.

Schwieriger wird der Fortgang der Wegeplanung auf Mülheimer Gebiet. Die Bahn-Strecke ist hier noch nicht entwidmet, weil die Bahn noch prüfen will, ob die Fläche nicht für den Rhein-Ruhr-Express vorgehalten werden muss. Ob die Bahn das Areal freigeben wird, hänge von den Auslastungstests ab, die die Bahn erst im Jahr 2012 machen werde, so Hans-Ulrich Wehmann, beim RVR Teamleiter im Grundstücksverkehr.

„Wir arbeiten an einer akzeptablen Lösung“

Der RVR wolle, natürlich in Abhängigkeit der Finanzierbarkeit, nicht gerne so lange warten. Ob man aber das Wagnis eingehe, die Route mit Einverständnis der Bahn weiterzubauen, bevor die Bahntrasse entwidmet ist, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Es könnte eine ärgerliche Lücke zwischen der Stadtgrenze zu Essen und dem Hauptbahnhof in Mülheim werden. „Wir arbeiten aber bereits an einer akzeptablen Lösung“, so Wehmann.

In jedem Fall will der RVR noch in diesem Jahr weitergehende Planungsgespräche mit den Städten Mülheim und Duisburg führen. Denn die Trasse vom Mülheimer Hauptbahnhof zur City der Nachbarstadt und weitergehend zum Rhein könnte zeitnah gebaut werden. „Die Grundstücke sind an sich verfügbar“, sagt Wehmann. Man ermittle zurzeit den exakten Flächenbedarf, sei in den Grundstücksverhandlungen mit der Bahn und schon daran, technische Vorbereitungen zu treffen. Für dieses Jahr noch erhofft sich der RVR eine Einigung mit der Bahn.

Fahrradweg in Mülheim soll bis 2015 ausgebaut sein

Insgesamt hat sich der Regionalverband zum Ziel gesetzt, den Fahrradweg bis zum Ende der Förderperiode Ende 2015 über das Mülheimer Stadtgebiet gespannt zu haben. Dafür müsste er bis spätestens 2013 seine Förderanträge beim Land gestellt haben.

Die Mülheimer Radbegeisterten müssen aber noch hoffen, dass ihnen die Bahn nicht mit dem Metropol-Projekt Rhein-Ruhr-Express in die Quere kommt. Sonst müssen sie für die Schnellverbindung nach Essen und Duisburg auf eine weitere Sperrung der A 40 setzen . . .